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Vogelgrippe - kurzgefasst

Je nach Erregertyp befallen Grippeviren verschiedene Lebewesen. An der sogenannten "Vogelgrippe" erkranken zur Zeit am schwersten Hühner und Puten. Sie verenden meistens innerhalb von 48 Stunden nach dem ersten Viruskontakt, ohne zuvor Krankheitszeichen zu zeigen. Die Sterberate liegt zwischen 90 und 100 Prozent.
Von der Geflügelpest, die durch andere Erreger verursacht wird, ist die Vogelgrippe nur durch Laboruntersuchungen zu unterscheiden.
Als Überträger von sich reden machen augenblicklich Zugvögel, insbesondere Wasservögel wie Enten und Gänse. Diese Vögel erkranken wie die Hühner, für sie ist diese Grippe aber meist nicht tödlich. Die Symptome zeigen sich in Form von Gleichgewichts- und Verhaltensstörungen, Durchfällen, Augen- und Lungenentzündungen. Während die Wasservögel die Grippe meist überleben, verteilen sie als lebendiges Erregerreservoir die Viren weltweit.
Besonders gefährlich ist der Erreger der Vogelgrippe dadurch, daß er, wie alle Grippeviren, sehr wandlungsfähig ist. Damit kann sich nicht nur seine Gefährlichkeit verändern, sondern er ist auch fähig, eventuell weitere Tierarten zu befallen. Zur Zeit ist er auf Menschen nur schwer übertragbar, aber das kann sich jederzeit ändern.
Fachleute befürchten vor allem, daß der Vogelgrippevirus, einmal im Menschen gelandet, sich dort mit menschlichen Grippeviren mischt und eine neue Variante bildet, die auf Menschen leicht übertragbar ist. Zusammen mit der Virulenz (Agressivität) des Vogelgrippevirus würde diese Kombination schnell zu einer weltweiten Pandemie mit hunderttausenden von Toten führen. (Pandemie = weltweite Epidemie, Epidemie = Seuchenzug einer bestimmten Krankheit).
Die letzte wirklich große Pandemie war die Spanische Grippe im Jahr 1918 mit mehr als 20 Millionen Toten.
Zur Zeit sterben, grob gerechnet, die Hälfte der mit Vogelgrippe infizierten Menschen. Besonders gefährdet scheinen dabei junge Erwachsene und Kinder zu sein. Möglicherweise hängen die besseren Überlebenschancen älterer Erwachsener damit zusammen, daß sie im Laufe ihres Lebens bereits mit vielen verschiedenen Grippeerregern in Kontakt gekommen sind und ihre Abwehr daher auch mit neuen Grippeviren etwas besser fertig wird. Dieser Schutz dürfte sich nicht nur durch tatsächliche Erkrankungen ergeben, sondern auch durch Impfungen. Es macht daher durchaus Sinn, sich im Hinblick auf künftige Epidemien jedes Jahr gegen Grippe impfen zu lassen. Jede Impfung zeigt dem Körper eine neue Virusvariante und trainiert somit die Abwehr für den Ernstfall.
Impfungen gegen die Vogelgrippe existieren zur Zeit noch nicht. Es wird fieberhaft daran gearbeitet, aber selbst unter optimalen Bedingungen brauchen die Labore mindestens zwei bis drei Monate, bevor sie Impfstoff produzieren können, und für eine weltweite Versorgung reichen die Kapazitäten mit Sicherheit nicht.
Als erste Maßnahme wird zur Zeit mit Hochdruck ein großer Vorrat des Grippemittels Tamiflu hergestellt. Dieses Medikament stoppt die Virusvermehrung im menschlichen Körper. Es ist verschreibungspflichtig und wird nur bei nachgewiesener Infektion mit einem Influenza (Grippe)-Virus verordnet. Eine vorbeugende Einnahme ist nicht nur unwirksam (und damit herausgeschmissenes Geld), sondern eventuell sogar für die langfristige Behandlung der Krankheit gefährlich, da man damit recht schnell resistente Erreger bilden könnte.
Da landläufig immer wieder die echte Grippe mit einem relativ harmlosen sogenannten "grippalen Infekt" verwechselt wird, darf das Medikament nicht bei Verdacht, sondern nur bei einer im Labor nachgewiesenen Virusgrippe verordnet werden.

Syptome der echten Grippe (Influenza) beim Menschen

Die Inkubationszeit (Zeit bis zum Ausbruch der Krankheit nach erstem Kontakt mit dem Erreger) beträgt 1-4 Tage.
Allgemein herrscht ein erhebliches Krankheitsgefühl. Die Grippe beginnt mit sehr hohem Fieber, auch Schüttelfrost, heftigen Kopf- Kreuz- und Gliederschmerzen sowie Entzündungen in Hals und Rachen. Dazu kommt sehr schnell eine Bronchitis. Die Entzündungen können sich auf den Kehlkopf, den Nasenraum und die Augenbindehäute ausweiten. Der Puls ist stark beschleunigt.
Typischerweise flacht das Fieber nach ungefähr drei Tagen starkt ab (Gefährdung des Kreislaufes!), um dann ein bis zwei Tage erneut deutlich zu steigen.
Auch ohne Komplikationen ist die Influenza eine schwere Erkrankung, nach deren Ausheilen der Patient Tage, wenn nicht Wochen braucht, um sich vollständig zu erholen.
Mögliche Komplikationen: Toxische Produkte der Erkrankung gefährden Herz und Kreislauf bis zum möglichen völligen Kollaps. Der Magen- Darm-Trakt kann auf die Reizung der Schleimhäute mit Erbrechen und Durchfall reagieren. Die Reizungen der Nerven können so schlimm ausfallen, daß es zu Kopfschmerzen ähnlich wie bei einer Meningitis kommt.
Auf den vorhandenen Virusinfekt setzen gerne zusätzliche bakterielle Infekte auf. Pneumokokken, Staphylokokken und Streptokokken können unter anderem sehr heftige Lungenentzündungen und Nasennebenhöhlenentzündungen verursachen. Seltener kommt auch zu einer regelrechten Meningitis.
Die echte Grippe wird durch direkten Kontakt und Tröpcheninfektionen (beim Niesen und Husten) von Mensch zu Mensch verbreitet.

Wie wird auf eine Infektion mit Influenza (Grippe) untersucht?

Bei Wildtieren wird frischer Kot gesammelt, oder es werden die Körper verendeter Tiere untersucht.
Bei lebenden Tieren wird aus dem Rachen oder der Kloake (dem gemeinsamen Ausgang von Darm, Harnleiter und Geschlechtsorganen) ein Abstrich gemachtt.
Beim Menschen untersucht man den klassischen Rachenabstrich oder Blutserum.
Im Labor wird zunächst untersucht, ob die genommene Probe überhaupt Grippe-Virus-Erbmaterial enthält. Fällt diese Untersuchung positiv aus, wird geklärt, welcher Virustyp vorliegt. Der gefährlichste Errregertyp ist momentan der Vogelgrippe-Typ H5N1 mit allen seinen Untertypen. Die Untersuchungen werden molekularbiologisch durchgeführt, wodurch recht schnell Ergebnisse anfallen. Entsprechend kann die Behandlung anschließend durchgeführt werden.
Neben den molekularbiologischen Untersuchungen im Labor wird auch auf klassische Weise untersucht. Dazu spritzt man Probenteile in bebrütete Hühnereier und beobachtet, ob der Embryo in dem Ei stirbt. Grippeviren in der Eiflüssigkeit lassen Hühnerblutzellen verklumpen- ein weiterer möglicher Hinweis. Bei einem handfesten Verdacht wird der Virus Hühnern in die Venen gespritzt und am lebenden Huhn weiter untersucht. Diese klassischen Laboruntersuchungen haben den Nachteil daß sie Wochen dauern können, sie taugen daher nicht für einen Schnelltest.

Kleine Vogelgrippe-Chronik

Erstmalig tauchte das Virus vom Typ H5N1 im Jahre 2003 auf. Millionen von Vögeln sind bereits an dem Virus erkrankt und verendet oder aber im Zuge von vorbeugenden Maßnahmen getötet worden.
Rund 120 Menschen haben sich bislang angesteckt, fast ausschließlich durch direkten Kontakt mit den lebenden oder frisch geschlachteten Tieren.
Von diesen infizierten Menschen ist mehr als die Hälfte gestorben.
Dezember 2003-Februar 2005 tritt das Virus erstmalig in Thailand, Viernam, Südkorea und Japan auf. 35 Menschen erkranken, 24 sterben.
Im Juli 2004 hat sich das Virus bis China ausgebreitet. Im August 2004 sterben in Viernam drei Menschen an der Vogelgrippe.
Oktober 2004 erkranken in Thailand neun Menschen, acht davon sterben.
Dezember 2004 erkranken in Vietnam, Kambodscha und Indonesien 58 Menschen, 25 sterben.
Im Juli 2005 erreicht das Virus Russland und Kasachstan. In Vietnam sterben zwei weitere Menschen an der Vogelgrippe.
In der Folge verbietet die EU Importe von Geflügel aus gefährdeten Regionen. Außerdem ordnen viele Länder an, die Freilandhaltung von Geflügel sofort einzustellen.
Im Oktober 2005 erreicht die Vogelgrippe Rumänien und die Türkei, ein erster Verdachtsfall tritt außerdem in Griechenland auf.

Was können Sie vorbeugend tun?

Falls Sie verendete Wildvögel finden, fassen Sie die Tiere nicht an, sondern benachrichtigen Sie das Gesundheitsamt.
Vermeiden Sie bei Urlauben direkte Kontakte sowohl mit Wildvögeln als auch mit zahmen Tieren (auch Ziervögel wie z.B. Papageien können die Vogelgrippe übertragen).
Falls Sie Vögel besitzen, isolieren Sie den Bestand und kaufen Sie vorerst keine neuen Vögel, falls die Quellen nicht 100% garantieren können, daß der Herkunftsbestand krankheitsfrei ist.
Stecken Sie neu erworbene Vögel und Wildfänge unbedingt erst in eine Quarantäne-Station.
Wenn Sie beruflich mit Geflügel zu tun haben, sollten Sie so wenig Hautkontakt wie möglich mit Ausscheidungen und Blut haben (Handschuhe tragen, eventuell auch einen Mundschutz).
Da Geflügel besonders anfällig ist, sollten Sie sich unbedingt an die Verordnung des Gesetzgebers halten, die Tiere in den Stall zu sperren. Eine einzige infektiöse Portion Entenkot von einem über das Land fliegenden Zugvogel reicht aus, Ihren ganzen Bestand schnellstens zu infizieren, wenn Ihr Geflügel mit dem frischen Kot Kontakt bekommt.
Bereits gekochte oder gebratene Vögel sind harmlos, das Virus überlebt hohe Temperaturen nicht.
Lassen Sie sich gegen Grippe impfen. Auch wenn der Schutz derzeit nicht gegen Vogelgrippe wirkt, so verringern Sie doch mit jeder Impfung die Möglichkeit, daß der Vogelgrippevirus mit einem anderen Grippevirus zusammenkommt und einen neuen, gefährlicheren Mischtyp bildet.

Quellen:
Pharmazeutische Zeitung 44 vom 3.11.2005
Lexikon der inneren Medizin, Medica Verlag 1968
www.medscape.com 10/2005

Erstellt 3.November 2005
Copyright © Charlotte Erpenbeck
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Apothekerinnen Charlotte Erpenbeck und Tanja Kramer und das Team der Alten Sonnen-Apotheke

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