Alte Sonnen-Apotheke, Markt 2, 49740 Haselünne im Emsland

 

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Fasten oder Hungern?

Energie erhält unser Körper durch die Nahrung. Zwar werten wir unsere Nahrung nicht gerade sehr ökonomisch aus - mehr als 25% Ausnutzung schaffen wir nicht- ,aber von Luft und Liebe alleine kann nun mal kein Mensch leben. Wir verbrauchen Energie durch Muskelarbeit, durch Zellaufbau, durch die Körperwärme, durch jeden einzelnen noch so winzigen chemisch- physikalischen Vorgang in unserem Körper. Entsprechend leidet unser Körper, wenn wir längere Zeit nichts oder zu wenig essen. Besonders kritisch wird die Sache bei Kindern, deren Körper noch im Aufbau ist und die durch mangelnde Energiezufuhr bleibende Schäden erleiden.

Fasten und Hungern unterscheiden sich nur durch den Anlaß, nicht in den unmittelbaren Auswirkungen auf den Körper. Hungern geschieht ungewollt, durch “höhere Gewalt”, während eines durch den Hungernden nicht beeinflußbaren Zeitraums. Fasten ist ein freiwilliger Nahrungsverzicht, den wir über einen begrenzten Zeitraum hin ausüben.

Fasten

Klassisch ist der Begriff der Fastenzeit, der in unserer Kultur fest verankert ist. Da in früheren Zeiten Nahrung oft Mangelware war, bedeutete eine freiwillige Nahrungseinschränkung ein erhebliches Opfer für den Fastenden. Solche Opfer wurden fast ausschließlich religiös motiviert. Klassisches Fasten kommt dabei neben der ganz strengen Form mit völligem Nahrungsverzicht auch in der bedeutend milderen Form eines teilweisen Verzichts zum Beispiel auf Fleischwaren und Süßes vor.

Daneben existiert das Heilfasten, welches bereits in der Antike von den Ärzten als Heilmaßnahme erkannt wurde. In seiner extremsten Form ist das Heilfasten als Nulldiät bekannt. Dabei werden dem Körper lebenswichtiges Wasser und (unbedingt auch) Vitamine und Mineralstoffe zugeführt.

Fasten (egal aus welchem Anlaß) belastet  den Körper und sollte in extremen Formen und über längere Zeit nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Unser Körper unterscheidet freiwilliges Fasten nicht von unfreiwilligem Hungern und reagiert auf beides gleich.

Hungern

Ganz ohne Nahrungszufuhr kann unser Körper, je nach Alter, Größe, Gesundheitszustand,  Fettausstattung und Arbeitsbelastung, zwischen zwei Wochen und ungefähr einem halben Jahr überleben. Grob gerechnet hält ein Kilo Körperfett dabei für einen Zeitraum von vier bis sechs Tagen vor. Kleine Kinder, die ohnehin einen größeren Grundumsatz haben als Erwachsene, kommen damit bereits in wenigen Tagen in einen kritischen Bereich.

Natürlich versucht der Körper, möglichst haushälterisch mit der eingebrachten Energie umzugehen. So wird bei längerem Hungern der Grundumsatz drastisch nach unten geregelt. Der Stoffwechsel kommt dann mit der halben Energiemenge aus.

Dieser erniedrigte Grundumsatz bleibt auch noch eine ganze Weile nach Ende der Hungerperiode bestehen, was dem Körper dazu verhilft, schnell wieder Reserve-Fettpolster zu bilden, in früheren Zeiten lebensnotwendig, aber auch der Grund für den gefürchteten “Jojo-Effekt” nach einer Abnehm-Diät.

Intern ändern sich die Stoffwechselvorgänge. Als erste Maßnahme bei nicht erfolgter Nahrungs-Energiezufuhr aktiviert unser Körper Glykogen, einen Zucker-Reservestoff, von dem ungefähr 100 Gramm in der Leber und 300 Gramm in der Muskulatur gespeichert sind. Dabei wird das Leber-Glykogen bevorzugt für den Gehirn-Stoffwechsel aktiviert, das Muskel-Glykogen für Bewegung. Die vorhandene Menge Glykogen wird, umgewandelt in Traubenzucker, als schnell verfügbare, aber auch schnell verbrennende Energie innerhalb eines einzigen Tages verbraucht.

Danach geht der Körper an die Langzeit-Reserven Fett und Eiweiß. Da Eiweiß leichter verwertbar ist, baut der Körper es eher und schneller als Fett ab. Dadurch können schon Muskelschäden passieren (z.B. am Herzen), bevor die letzte Fettreserve angegriffen wird. Durch die Abbauprodukte von Fett und Eiweiß verändern sich die Blutwerte. Eiweiß produziert beim Abbau Harnstoff und Ammoniak, Fett  produziert Ketonkörper. Der Säure-Basen-Puffer im Blut kann durch das Ammoniak nicht mehr ausreichend funktionieren, bestehende Krankheitsbilder können sich dramatisch verschlechtern. Natürlich sinkt auch die Widerstandsfähigkeit gegen Infektionen. Die Ketonkörper aus dem Fettabbau stumpfen das Hungergefühl ab und können zu ersten Fehlfunktionen der Denkfähigkeit führen.
Chronischer Hunger führt zu Nierenschäden, Blutarmut, zum Aussetzen der Regel bei Frauen, zu Hautschäden und Verlust von Skelett - und Lungengewebe, allgemeinem Kräfteverfall, Appetitlosigkeit (durch die Ketonkörper) und Apathie (der Hungernde interessiert sich kaum noch für seine Umwelt).

Symptome des Hungerns beim Fasten

Striktes Fasten wie bei der Nulldiät ruft (natürlich) die gleichen Symptome hervor wie Hungern. Das Anfangs starke Hungergefühl wird bald durch die Ketonkörper gedämpft. Manche Fastende werden durch die Ketonkörper regelrecht euphorisch. Kopfschmerzen können auftreten , oder Übelkeit, schlechter Geruch über Haut und Schleimhäute, Verdauungsprobleme, Kreislaufprobleme. Weitere Schreckensbilder siehe oben.
Kopfschmerzen durch Fasten

Fastenverbot

Aus den aufgezeigten Stoffwechselveränderungen ergibt sich leicht, welche Menschen auf keinen Fall ohne medizinischen Grund und ärztliche Aufsicht längere Zeit fasten oder eine Nulldiät betreiben sollten:

Menschen mit einer Stoffwechsellage, für die erhöhte Energiezufuhr lebenswichtig ist (Schwangere, Kinder, Schwerkranke), Menschen mit bestimmten chronischen Stoffwechselkrankheiten wie zum Beispiel Typ1-Diabetes, Gicht, Menschen mit chronischen Mangelzuständen von Vitaminen und Mieralstoffen, Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Menschen mit erhöhter Infektionsgefährdung (z.B. bei Einnahme von Immunsuppressiva), Herzkranke, Nierenkranke, psychisch Kranke,

Freiwilliges Hungern macht dick und krank !

Aus der oben aufgeführten Umstellung des Stoffwechsels auf einen niedrigeren Grundumsatz beim Fasten ergibt sich nach Fastenende eine unglückliche Energiebilanz. Gleiche Mengen zu essen wie vorher macht doppelt so schnell dick! (Der berüchtigte Jojo-Effekt)
Darüber hinaus können vorhandene Krankheiten verschlimmert werden (was kein Widerspruch dazu ist, daß einige Krankheiten zum Beispiel aus dem rheumatischen Formenkreis durch ein kontrolliert durchgeführtes zeitlich begrenztes Fasten verbessert werden können).

Zu langes Fasten führt zu irreversiblen Schäden im Organismus, durch die Skelett und Organe ein Leben lang weniger belastbar und durch nachfolgende Erkrankungen leichter angreifbar sind.

Einige Informationen zum Schluß :

Grundumsatz:

Der Grundumsatz oder Ruheumsatz ist die Energie, die unser Körper bei angenommenen idealen 20 Grad Raumtemperatur in bekleidetem Zustand und völlig entspanntem ruhigen Sitzen  zum Erhalt aller Lebensfunktionen braucht. Männer haben allgemein einen etwas höheren Grundumsatz als Frauen. Der Normwert beträgt für einen 70 kg schweren Mann 7100 kJ/Tag. Natürliche Erhöhungen des Grundumsatzes werden verursacht durch Menstruation, Schwangerschaft oder eine Überfunktion der Schilddrüse. Auch Fieber erhöht den Grundumsatz.

Energieverbrauch einiger Tätigkeiten pro Stunde:

Spazierengehen             1200 kJ / 285 kcal
Radfahren                     1600 kJ / 380 kcal
Schwimmen                   2000 kJ / 475 kcal
Joggen                          2400 kJ / 570 kcal
Tennisspielen                3150 kJ / 750 kcal
Seilspringen                  4000 kJ / 950 kcal

Energiegehalt einiger Nahrungsmittel

Wasser / Tee (ungesüßt)                  0 kJ / 0 kcal
Fruchtsaftgetränke, ca. (200 ml)    412 kJ / 98 kcal
Kuhmilch, 3,5% Fett, 200 ml          534 kJ / 128 kcal
Cola 330 ml                                 795 kJ / 188 kcal
Kölschbier   250 ml                       440 kJ / 105 kcal
Sekt 100 ml                                 349 kJ / 83 kcal
Likör  20 ml                                 139 kJ / 33 kcal
Apfel,150g                                   340 kJ / 81 kcal
Weintraube, 150g                         459 kJ / 110 kcal
Banane  150 g                             512 kJ / 122 kcal
Chinakohl  200g                            90 kJ / 22 kcal
Bohnen, grün, 200g                     296 kJ / 70 kcal
Kartoffeln  250g                          443 kJ / 178 kcal
Paranuß oder Walnuß  30 g          839 kJ / 200 kcal
Roggenbrot  50g                         465 kJ / 111 kcal
Weizentoastbrot, 1 Scheibe  20g  219 kJ / 52 kcal
Naturreis 50g                             728 kJ / 174 kcal
Rinderfilet 100g                          504 kJ / 121 kcal
Schwein, Eisbein 100g                 777 kJ / 186 kcal
Lachs, geräuchert  50 g               604 kJ / 145 kcal
Schokolade,Vollmilch, 30g           660 kJ / 158 kcal
Vanillepudding 125 g                   551 kJ / 131 kcal
Zucker  10 g                              168 kJ / 40 kcal
Fischstäbchen   150g                 1071 kJ / 255 kcal
Lasagne  300g                          1569 kJ / 375 kcal
Pizza mit Salami  300g              3867 kJ / 924 kcal

Verwendete Quellen:

Elmadfa/Aign/Fritsche   GU Kompaß Nährwerte 1996/1997
Mork/Lickfeld/Schneider Offizinpharmazie - Diätvorschriften Thieme 1984
Roche Medizinlexikon 4   Urban&Schwarzenberg 1998
Werning  Medizin für Apotheker   WVG 1997

empfohlene weitere Webseiten mit mehr Details zum Thema :

http://www.redecke.de/michael/fasten.htm
http://www.fasten.at/
http://de.wikipedia.org/wiki/Fasten
http://zh.ref.ch/content/e3/e1144/e1161/e1163/index_ger.html
http://www.fastenfuergesunde.de/
http://www.religion-online.info/islam/themen/fasten.html
http://www.stjosef.at/morallexikon/fasten.htm
http://www.medizinauskunft.de/artikel/aktuell/09_02_heilfasten.php
http://www.awitness.org/journal/mythen_hunger.html
http://www.missio.at/aktuell/darfur.html
http://www.oekosmos.de/article/view/102/1/4
http://www.livenet.ch/www/index.php/D/article/104/4426/
http://www.wfn.org/2002/12/msg00018.html
Erstellt April 2005
Copyright © Charlotte Erpenbeck
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Apothekerinnen Charlotte Erpenbeck und Tanja Kramer und das Team der Alten Sonnen-Apotheke

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