Alte Sonnen-Apotheke, Markt 2, 49740 Haselünne im Emsland

 

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Neurodermitis-Babys

Baby

Manche Kinder kommen  mit einer Neurodermitis auf die Welt. Neurodermitis ist ein Sammelbegriff für eine zu trockene, überempfindliche Haut. Dieser Hautzustand äußert sich in geröteter, eventuell schuppender, juckender Haut, und kann im Extremfall zu großflächigen eitrigen Entzündungen führen. Die ersten Anzeichen einer Neurodermitis zeigen sich meistens in Gebieten mit Hautfalten. Besonders auffällig sind dabei Hand-, Knie- und Ellenbogengelenke sowie die Haut hinter den Ohren.

Neben einer vererbten Anlage zu trockener, leicht reizbarer Haut kommen meist auch noch Probleme mit der Ernährung dazu . Viele Lebensmittel werden von Neurodermitikern nicht vertragen. An der Spitze dieser Lebensmittel steht ausgerechnet Milch, die ja für Säuglinge die Nahrungsgrundlage ist.

Muttermilch ist dabei noch am wenigsten problematisch. Neurodermitis-Babys sollten so lange wie möglich gestillt werden. Als Minimum empfiehlt sich ein halbes Jahr. Sollte die Mutter nicht stillen können oder wollen, muß unbedingt eine sogenannte hypoallergene Babynahrung gewählt werden. Allergiker und Neurodermitiker reagieren meistens auf bestimmte Eiweißanteile der Kuhmilch. In hypoallergener Milchnahrung sind diese Eiweißbestandteile entweder in kleinere, ungefährlichere Bausteine zerlegt, oder es wird von vorneherein auf Kuhmilch verzichtet und statt dessen z.B. Sojamilch genommen. (Da manche Kinder auch auf Sojamilch komisch reagieren, müssen Sie im Zweifelsfall mehrere Milchnahrungs-Typen durchtesten, um für Ihr Kind die optimale Flaschennahrung zu finden).

Sollte das Kind sehr zum Spucken neigen, können Sie die Nahrung ganz leicht mit Nestargel andicken. Das ist ein Pulver aus Johannisbrotbaumsamen, das ähnlich wie Soßenbinder oder Gelantine andickt, aber frei ist von tierischen oder Getreide- Allergenen. (Übrigens kann dieses Nestargel auch bei Zöliakie verwendet werden ).

Nestargel eignet sich auch als Andickungsmittel, wenn man von Flüssignahrung auf Brei umstellen will.

Soll die Nahrung langsam erweitert werden, fangen Sie am Besten mit geriebenem Apfel und Birne an. Erstes Gemüse sind in der Regel Babykarotten. Mit diesen Sachen sollten Sie aber nicht vor dem Ende des dritten Lebensmonats beginnen. Vorher ist der Darm des Säuglings noch zu unreif. Da der Darm extrem wichtig ist sowohl für das Immunsystem wie auch für viele allergische Reaktionen, sollte er beim Neurodermitis-Baby möglichst spät der zusätzlichen Belastung durch möglicherweise allergene Nahrungsmittel ausgesetzt werden.

Das erste Getreide, mit dem Sie die Babykost anreichern können, ist Reis (wasser-gekocht). Hirse wäre ebenfalls ein relativ problemarmes Getreide. Unsere üblichen Brotgetreide sollten Sie nicht vor dem 6. Lebensmonat geben.

Einfache Salzkartoffeln mit etwas Gemüse zu einem Brei gemischt kann dann zur Umstellung auf Normalkost eingesetzt werden. Fleisch wird von fast allen Neurodermitikern ohne Probleme vertragen und kann so ab dem 6. bis 7. Monat fest ins Menue eingeplant werden. Ebenso machen die meisten Gemüse keine Probleme. Stark blähende Kohlgemüse wollten Sie aber erst gebrauchen, wenn das Kind älter ist, sonst stehen Ihnen einige durchwachte Nächte mit einem bauchwehkranken Kind ins Haus....

Auf Kuhmilch sollten Sie zunächst verzichten. Wenn das Kind etwas älter ist, können Sie vorsichtig mit Buttermilch, Joghurt oder Dickmilch ausprobieren, ob Ihr Kind diese bereits von Bakterien vorverdauten Milchbestandteile verträgt. Milch pur sollte erst nach dem ersten Lebensjahr und in Mini-Mengen ausprobiert werden. Entsprechendes gilt für Fertig-Lebensmittel, die Milch enthalten.
Da Milch unser Hauptlieferant für Calcium ist, müssen Sie bei einer Milchunverträglichkeit  darauf achten, daß Ihr Kind genügend Calcium bekommt. Es gibt speziell mit Calcium angereicherte Sojamilch oder Mineralwasser. Ansonsten besteht natürlich immer die Möglichkeit, besonders bei älteren Kindern Calcium- Kautabletten oder Brausetabletten einzusetzen.

Hautpflege für das Neurodermitis-Baby

Auf Hautpflege müssen Sie beim Neurodermitis-Baby ganz besonders achten. Zum Baden bitte nur rückfettende Badezusätze verwenden. Von der Fima Hermal zum Beispiel gibt es spezielle Badezusätze und Duschgele für Kinder. Bei akut geschädigter, entzündeter Haut sollten auch diese Badezusätze nur sparsam verwendet werden. Bitte achten Sie darauf, daß das Badewasser nur warm und nicht heiß ist. Je wärmer das Wasser ist, desto stärker entfettet es die ohnehin zu trockene Haut. Falls Sie kein Thermometer zur Hand haben, prüfen Sie das Badewasser bitte nicht mit der Hand, sondern mit Eintauchen des Unterarms oder Kontakt mit der Wange. An der Hand ist Ihre Haut zu wenig temperaturempfindlich. Wenn Sie selbst das Gefühl haben, daß Wasser sei nur knapp lauwarm, ist es für ein Babybad richtig. Besser sind natürlich Badethermometer.

Für Haarwaschmittel gilt dergleiche. Sofern Sie überhaupt Shampoo für Babys gebrauchen wollen, bitte besonders hautfreundliche nehmen. Meist brauchen Sie bei den paar kurzen Haaren ohnehin kein Shampoo. Sofern die Kopfhaut stark schuppt oder verkrustet ist, kann man statt der Haarwäsche auch ein Öl getränktes Läppchen zur Hautpflege nehmen. Das Calendula-Babyöl von Weleda zum Beispiel ist sehr gut geeignet.

Die Haut anschließend nicht trockenrubbeln, sondern nur trockentupfen. Bei entzündeter Haut können Sie eventuell auch mit einem auf unterer Stufe eingestellten Föhn die Haut sanft trockenföhnen. ( Auch sehr gut, wenn das Kind den Po wund hat). Sie können das Kind in einem warmen Zimmer auf einer weichen Unterlage auch einfach so trocknen lassen. Nur legen Sie es dann bitte auf den Boden und nicht auf den Wickeltisch, selbst kleinste Säuglinge können sich schon genug bewegen, um im unpassenden Moment vom Wickeltisch zu fallen.

Neurodermitis-Haut sollte immer nach dem Baden oder Waschen eingecremt werden. Die dazu verwendeten Cremes sollten parfümarm oder parfümfrei sein und gut verträgliche Konservierungsstoffe enthalten. Das wird von gängigen normalen Hautpflegeprodukten nicht gewährleistet. Sie müssen also hypoallergene Pflegeserien verwenden, die Sie im Zweifelsfall immer in Ihrer Apotheke finden. Beispiele für hypoallergene Pflegeprodukte und Pflegeserien: Asche Basis Creme, Bodysol, Balneum Hermal, Eubos, Eucerin, Linola fett, Menalind,  Praecutan. Letztens Endes reagiert jede Haut unterschiedlich, so daß Sie ausprobieren müssen, was Ihr Kind verträgt. Für besonders hartnäckige Fälle gibt es in der Apotheke ein neues Pflegeprodukt mit Johanniskrautöl, Bedan Lotio und Bedan Creme. Damit habe ich persönlich gute Erfahrungen gemacht, ich kann sie also sehr empfehlen.

Leider sind Pflegeprodukte für Neurodermitis normalerweise nicht verschreibungsfähig. Nur bei extremen Hautzuständen kann Ihnen der Kinderarzt etwas aufschreiben. Dann ist allerdings meist der Hautzustand auch schon so schlimm, daß Sie zumindest kurzfristig Kortison einsetzen müssen.
Gegen kurzfristigen Kortisoneinsatz ist nichts einzuwenden, solange er nicht über wenige Tage bis maximal eine Woche hinausgeht. Damit werden die schlimmsten Entzündungen und intensiver Juckreiz schnell bekämpft und auf eine Stufe zurückgeführt, wo es Sinn macht, mit harmloseren Pflegeprodukten weiterzuarbeiten. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung schädigt ein solcher maßvoller Kotisoneinsatz weder die Haut dauerhaft noch ist er schädlich für die Knochen. Sie können also beruhigt auch einmal Kortison für die Haut Ihres Babys gebrauchen, wenn diese besonders "bunt" aussieht.

Sonstige Ratschläge für Neurodermitis-Babys

Daneben können Sie der Haut Ihres Kindes noch etwas Gutes tun, indem Sie hautfreundliche Materialien für Kleidung und Bettwäsche verwenden. Baumwolle und Seide sind atmungsaktiv und relativ glatt, reizen also die Haut wenig. Wolle sollte nicht direkt auf die Haut kommen. (Ausnahme: Babyfell, mit Lanolin geflegt, das vertragen auch viele Neurodermitiskinder auf der Haut). Für Kinder mit starkem Juckreiz gibt es Schlafoveralls aus ungefärbter Baumwolle mit angenähten Fäustlingen (Curaderm Neurodermitis-Overall, natürlich auch in der Apotheke erhältlich), damit sich die Kinder nicht im Schlaf kratzen können. Nicht ganz billig, aber besser als ein blutig gekratztes Gesichtchen.

Bei Windeln hilft wieder nur Ausprobieren. Es gibt Neurodermitis-Babys, die problemlos mit Pampers und anderen Fertig-Windeln klarkommen. Bei anderen müssen Sie tatsächlich auf Großmutters Windeln zum Waschen ausweichen.

Bei schönem Sommerwetter und angenehm warmer Luft darf das Baby natürlich auch gerne ganz "unten ohne" spielen. Dann aber bitte mit vernünftigem Sonnenschutz und möglichst trotzdem nur im Schatten, da Babys Haut noch schneller einen Sonnenbrand bekommt als Ihre. Sonnenbrände in der Kindheit sind die Grundlage für Hautkrebs im Erwachsenenalter.

Was die Sommerfreizeit angeht: Badewasser in öffenlichen Badeanstalten ist gechlort. Viele Neurodermitiker vertragen dieses Chlor nicht. Dafür wird Meerwasser meistens sehr gut vertragen, es hat in manchen Fällen sogar heilungsfördernde Wirkung.

Außerdem neigen Neurodermitiker oft stärker zu Allergien. Sie sollten daher bei neuen Nahrungsmitteln zum Beispiel nicht ganz so experimentierfreudig sein.

Bereits bekannte, gut verträgliche Nahrungsmittel sind im Zweifelsfalle vorzuziehen.
Neben Milch sind bekannt für häufige Allergien: Nüsse (besonders Erdnüsse), Zitrusfrüchte, Softdrinks (enthalten neben viel Zucker meist ordenlich Farbstoffe und Konservierungsmittel). Es wird zur Zeit diskutiert, ob es tatsächlich nur die Nüsse sind, die so häufig Ärger machen, oder mehr die oft in älteren Nüssen anzutreffenden Schimmelpilzsporen.

Oft gibt es ja auch Alternativen, z.B. Wassereis statt Milcheis, Obstmixgetränke statt Softdrinks, Kirschsaft statt Orangensaft, Wackelpudding statt Milchcremepudding usw.

Um möglichen Allergien vorzubeugen, sollten Sie für Neurodermitis-Babys statt Latex Silikonsauger für die Flasche und den Nuckel nehmen, zumindest solange das Kind noch keine Zähnchen hat. Sind schon Zähne in Ober- und Unterkiefer da, wird Silikon etwas problematischer. Falls nämlich das Kind ein Stück abbeißt und herunterschluckt, verhält sich das Silikon im Bauch nicht gerade sehr magenfreundlich. (Es ist nicht giftig, kann aber durch die Verdauungssäfte scharfe Kanten bekommen). Da hilft am Besten, das Kind gar nicht erst an einen Breisauger zu gewöhnen, sondern gleich mit dem Löffel zu füttern. Natürlich brauchen Sie dafür etwas mehr Zeit, erleichtern sich aber auch die Umstellung auf normale Kost vom Teller. Das hat bei meiner Tochter prima geklappt, ich empfehle also aus eigener Erfahrung.

Ein kleines Trostpflästerchen für geplagte Eltern:

Bei vielen Kindern mit Neurodermitis wird die Haut mit zunehmendem Lebensalter weniger empfindlich. Die Neurodermitis "wächst sich aus". Kinder mit Neurodermitis müssen nicht ihr Leben lang neurodermitiskrank sein. Sie behalten aber Zeit ihres Lebens eine besonders trockene und damit empfindliche, anfällige Haut, die beim kleinsten Anzeichen einer Störung unbedingt sofort durch intensive Pflege wieder saniert werden sollte.
Erstellt Januar 2004
Copyright © Charlotte Erpenbeck
Apothekerin

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Apothekerinnen Charlotte Erpenbeck und Tanja Kramer und das Team der Alten Sonnen-Apotheke

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