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 Neu: Schweinegrippe

 Informationen zur Krankheit und zu den Impfungen

In diesem Jahr sollen Sie sich nicht nur gegen die normale Grippe impfen lassen, sondern auch gegen die sogenannte "Schweinegrippe". 

Was haben sie gemeinsam, wo liegen die Unterschiede?

Beide Grippearten sind Virusinfekte der Schleimhäute. Die Viren sind so eng miteinander verwand wie zweieiige Zwillinge. Es ist also im Grunde die gleiche Krankheit, nur in unterschiedlich starker Ausprägung.

Betroffen sind in erster Linie die Atemwege. Die Viren werden über die Luft verbreitet, insbesondere durch Tröpfchen in der Atemluft, die beim Niesen meterweit von erkrankten Personen verstreut werden. Die Viren werden auch durch direkten und indirekten Körperkontakt weitergegeben, Händeschütteln, Anfassen von Türklinken usw.

Wie die meisten Erkältungskrankheiten beginnen sie mit angeschwollenen Schleimhäuten und allgemeinem Unwohlsein. Auf erste Halsschmerzen folgt wenige Stunden bis Tage später meist ein handfester Husten. Schnupfen kann alleine auftreten oder zusammen mit den bereits erwähnten Beschwerden.

Die echte Grippe oder Influenza unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von den normalen Erkältungskrankheiten.

Sie verläuft deutlich schwerer, ist meist mit hohem Fieber verbunden, und sie kann tödlich sein.

Aber, fragen Sie sich, es sterben doch auch manchmal Leute an "normalen" Erkältungsinfekten? Nein, meist sterben sie nicht an der Erkältung, sondern daran, dass sich auf den bereits angegriffenen Schleimhäuten zusätzlich Bakterien einnisten. Diese Bakterien führen dann zu Lungenentzündungen und anderen Komplikationen, an denen die Patienten letztendlich auch sterben können. Gott sei Dank ist das selten, und Lungenentzündungen sind im Zeitalter der Antibiotika recht gut bekämpfbar.

Die echte Grippe ist dagegen ein Killer. Je nach Aggressivität des Virus tötet sie pro Saison in Deutschland einige hundert bis zehntausend Menschen.

Gut, werden Sie sagen, das machen andere Krankheiten auch. Und die Grippe kommt jedes Jahr, das haben wir bislang immer überlebt. Weshalb also lässt die Schweinegrippe als "neue" Grippe überall die Alarmglocken läuten?

Zumal, man liest doch in den Nachrichten, dass die Schweinegrippe recht mild verläuft und kaum ein Patient daran stirbt.

Trotzdem ist die Welt-Gesundheits-Organisation WHO ebenso wie unsere Regierung in heller Aufregung und empfiehlt so bald wie möglich eine Impfung.

Warum sollen Sie sich diese Impfung unbedingt antun, für eine offensichtlich relativ harmlose Krankheit?

Ja, die Schweinegrippe verläuft harmlos. Noch. Das kann sich jederzeit ändern. Grippeviren sind berühmt-berüchtigt für ihre Wandlungsfähigkeit. Sie kreuzen sich mit anderen Grippeviren und bringen plötzlich und unerwartet tödliche Varianten hervor.

Grippe ist keine neue Erfindung. Grippeviren sind älter als die Menschheit. Dass diese Viren sich wandeln und immer mal wieder eine völlig neue Variante zum Vorschein kommt, ist daher völlig normal. Das einzig Ungewöhnliche ist der Ort, an dem diese neuen Viren zuerst auftraten- üblicherweise entstehen neue Grippe-Varianten nämlich nicht in Mexiko, sondern in Südost-Asien, dort ist die Grippe sozusagen zu Hause.

Eine Impfung schützt Sie einigermaßen vor einer Erkrankung (leider nicht zu 100%, weil der Grippeerreger sich schnell verändert). Und bei bereits veränderten Viren kann eine Impfung dafür sorgen, dass die Krankheit zumindest nicht so heftig verläuft.

Ist denn diese Panik und Impfwut nicht alles nur eine Verschwörung der Pharmaindustrie, um mehr Geld zu verdienen?

Kaum.

Klar, die Firmen verdienen- sie produzieren keine Medikamente aus purer Menschenfreundlichkeit. Aber mal im Ernst, würden Sie wirksame Hilfe ablehnen, nur weil Sie etwas dafür bezahlen müssen und jemand anderes daran verdient?

Die Schweinegrippe wurde nicht von der pharmazeutischen Industrie zur Gefahr erklärt, sondern von der WHO, der Welt-Gesundheits-Organisation. Und die ging nicht nach irgendeiner Sonderregelung für Grippe vor, sondern nach einem bewährten, schon lange Zeit bestehenden Stufenplan für Epidemien und Pandemien.

Das Schweinegrippe-Virus wurde als Epidemie eingestuft, weil es hoch ansteckend ist und sich schnell von Mensch zu Mensch verbreitet. Die Schwere oder eher Milde der Krankheit spielt bei dieser Einstufung keine Rolle, nur die Ansteckungsgefahr.

Das Schweinegrippe-Virus wurde zur Pandemie erklärt, weil es binnen kürzester Zeit in mehreren Ländern der Erde auf allen Erdteilen auftrat. Auch hier spielt nicht die Schwere der Erkrankung eine Rolle für die Einstufung, sondern nur die Geschwindigkeit der Ausbreitung. Mehr als 30 000 Erkrankte Ende August 2009 in über 74 Ländern mit stark steigender Tendenz sprechen wohl eine deutliche Sprache.

Auch die WHO weiß, das die Grippe zur Zeit noch relativ harmlos ist, sie fürchtet aber eine mögliche Mutation des Virus zu einem hochgefährlichen Typ, der dann gravierende Konsequenzen für die ganze Welt hätte.

Deshalb ist eine zweifache Impfung sowohl gegen normale Grippe als auch gegen Schweinegrippe aus zwei Gründen wichtig:

Bei einer Wandlung des Schweinegrippe-Virus würde eine Impfung gegen den alten Virustyp zumindest eine Teilimmunität hervorrufen und die Krankheit deshalb wahrscheinlich milder verlaufen.

Und: je mehr Menschen gegen sowohl die normale Grippe als auch gegen die Schweinegrippe geimpft werden, desto weniger Chancen hat der Virus, durch Neukombination zu einer gefährlichen neuen Variante zu mutieren.

Auf jeden Fall impfen lassen sollten sich Risikogruppen:

Schwangere

Menschen in Berufen mit viel Öffentlichkeit und ständigen Kontakten zu möglicherweise kranken Personen

chronisch Kranke

Menschen, die Immunsuppressiva einnehmen

Senioren

Übrigens: Wurde die Mutter in der Schwangerschaft geimpft, hat gleichzeitig das Neugeborene Impfschutz!

Auch Kleinkinder zählen übrigens zu den besonderen Risikogruppen. Hier ist der derzeit beste Schutz eine Impfung der Kontaktpersonen (in erster Linie also der Mutter). Ansonsten sprechen Sie bitte mit dem Kinderarzt.

Sie wollen sich lieber nicht impfen lassen und suchen nach anderen Alternativen?

Ich gehe einmal kurz mit Ihnen durch, welche sonstigen Optionen Sie haben (die ich übrigens alle für deutlich weniger wirksam halte als die Impfung. Und bevor Sie fragen, ja, ich bin geimpft, gegen beide Arten der Grippe!).

Was hilft gegen Grippe?

Vitamin C jedenfalls nicht.
Vitamin C ist zwar ein Zellschutz, und es wird auch für den Aufbau von Aminosäuren und im Cholesterin-Stoffwechsel gebraucht, aber das war´s auch schon. Gut 100 mg braucht der Mensch am Tag, Raucher verbrauchen 150mg, da durch das Rauchen mehr schädliche Substanzen im Körper entgiftet werden müssen.

Vitamin C wird nicht gespeichert, also brauchen wir es jeden Tag aufs Neue. Aber bereits 60g schwarze Johannisbeeren, oder 200g Orangen, oder 100g Paprika decken den Tagesbedarf, es ist also keine Kunst, genügend Vitamin C zu bekommen.

Nur, verabschieden Sie sich von der Vorstellung, dass viel Vitamin C Sie vor der Grippe schützen kann.

Was dagegen hilft:

Vermeiden Sie, wenn möglich, große Menschenmengen.

Waschen Sie Ihre Hände möglichst oft- Hände sind die beste Kontaktfläche für Erreger aller Art. Und fassen Sie mit eventuell kontaminierten Händen möglichst nicht an Augen, Nase und Mund.

Meiden Sie direkten Körperkontakt zu Erkrankten. Keine Küsschen, auch wenn´s schade drum ist.

Niesen Sie nicht ohne Taschentuch in die Gegend, und bitten Sie umgekehrt andere Menschen darum, Sie nicht anzunießen - ein Mundschutz für Erkrankte macht durchaus Sinn!

Wenn Sie einen Mundschutz tragen, reden Sie möglichst wenig. Der Mundschutz sollte gut sitzen und Mund und Nase bedecken.Sobald sich erste Speichelflecke zeigen, sollte der Mundschutz entsorgt und durch einen neuen ersetzt werden.

Benutzen Sie Papiertaschentücher- und nehmen Sie öfters ein neues. Entsorgen Sie gebrauchte Taschentücher nicht in offene Papierkörbe, sondern in dicht schließende Müllbehälter.

Lassen Sie ihre Schleimhäute nicht austrocknen. Eine Schale mit Wasser im Zimmer, eventuell noch mit etwas Pfefferminzöl versehen, wirkt wohltuend auf die Schleimhäute (bei kleinen Kindern in Haus lassen sie das Pfefferminzöl besser weg, für Kleinkinder und Säuglinge ist es gefährlich).

Trinken Sie ausreichend, Tee und heißer Zitronensaft sind immer empfehlenswert, Viren mögen keine Temperaturen von mehr als 40 Grad.

Lüften Sie kurz, aber gründlich, vier bis fünfmal täglich.

Gehen Sie an die frische Luft (natürlich schön warm angezogen). Frische Luft und Sonne (sofern vorhanden) scheinen einen gewissen Wirkungsgrad auch bei Erkrankten zu zeigen. Bei der großen Grippe-Epidemie nach dem ersten Weltkrieg starben deutlich weniger Patienten in den Freiluft-Krankenhäusern der USA als in den normalen Krankenhäusern.

Härten Sie sich mit Saunagängen ab (chronisch Kranke sollten vorher den Arzt fragen, ob er ihnen die Sauna erlaubt).

Und: Rauchen Sie nicht! Verräucherte Schleimhäute sind anfälliger.

Gibt es vorbeugende Medikamente?

Begrenzt, ja.

Desinfektionsmittel helfen, die oben genannten Vorbeugungsmaßnahmen zu unterstützen. Wenn Sie Ihre Hände desinfizieren, müssen Sie aber darauf achten, dass das Desinfektionsmittel genügend lange Kontakt mit der Haut hat. Alkohol zum Beispiel braucht eine Einwirkungszeit von bis zu fünf Minuten, um zuverlässig zu desinfizieren. Fertige Desinfektionsmittel wie Wick Erste Abwehr Handschaum wirken schneller, und die Wirkung hält bis zu drei Stunden an. (Bitte nicht verwechseln mit Wick Erste Abwehr Spray, das wirkt nur gegen normale Erkältungsviren).

Zistrosenextrakt in Form von Lutschtabletten wirkt als allgemeine Infektabwehrhilfe für die Schleimhäute. Ungefähr fünfmal am Tag sollten die kleinen Tabletten (z.B. Cystus Tabl.) langsam gelutscht werden. Der Extrakt verstärkt die Zellbarriere der Schleimhautzellen deutlich messbar. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig, sehr harzig, aber wer geharzten griechischen Wein mag, lutscht wahrscheinlich auch Cystus ohne Schwierigkeiten. Und: man gewöhnt sich daran, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann. Spätestens nach drei bis vier Tagen fängt man an, den Geschmack zu mögen.

Und was ist mit Tamiflu?

Tamiflu ist KEIN vorbeugendes Mittel. Es ist ein Virustatikum, das nur bei schwerem Verlauf einer Influenza-Erkrankung eingesetzt wird. Tamiflu ist ein stark wirksames Medikament, das wie alle solche Medikamente auch unerfreuliche Nebenwirkungen haben kann. Darüber hinaus werden Grippe-Viren bei Massen-Anwendung dieses Medikamentes sehr schnell resistent. Es macht keinen Sinn, leicht erkrankten Patienten das Mittel zu geben, und dann zu sehen, dass es bei späteren schweren Erkrankungen unwirksam geworden ist.

Es macht noch weniger Sinn, das Medikament vorbeugend zu geben.

Übrigens: Der Inhaltsstoff des Tamiflu, Oseltamivirphosphat, wird übrigens aus Shikimisäure hergestellt. Und diese Säure gewinnt die pharmazeutische Industrie aus Sternanis. Letztlich hat dieser chemische Wirkstoff also auch eine biologische Grundlage.

Wie erkenne ich, ob ich Schweinegrippe habe?

Gar nicht. Nur eine Untersuchung Ihres Arztes kann den Virus, an dem Sie erkrankt sind, bestimmen. Sie können nur allgemein erkennen, ob Sie wahrscheinlich eine Grippe habe:

Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Erschöpfung, hohes Fieber, das sind die Grippe-Zeichen. Auch wenn eines dieser Zeichen fehlt, hohes Fieber ist so gut wie immer dabei. Mit Grippe fühlen Sie sich krank. Sehr krank.

Was tue ich bei ersten Anzeichen?

Telefonisch den Arzt benachrichtigen. Nicht in die Praxis gehen- die Leute dort haben alle diverse Krankheiten und können ganz sicher nicht noch eine Grippe zusätzlich gebrauchen.

Wenn sich der Verdacht bestätigt, bleiben Sie in Quarantäne. Kein Kontakt mit anderen Leuten außer denen, die sich direkt um Ihre Pflege kümmern. Keine Besuche. Familien- Angehörige werden normalerweise mit unter Quarantäne gestellt.

Um Himmels willen, wenn meine Frau / mein Mann nicht zur Arbeit darf, weil sie / er unter Quarantäne steht, was ist dann mit ihrem / seinem Lohn?

Nach dem deutschen Infektionsschutzgesetz bekommt der, der gesund bleibt, aber wegen einer Quarantäne nicht arbeiten darf und daher weder Lohn noch Krankengeld erhält, eine Entschädigungszahlung für Lohnausfall.

Und der Arbeitgeber reagiert sauer, weil ich nicht zur Arbeit gehe?

Er würde vermutlich noch saurer reagieren, wenn Sie kommen, den halben Betrieb anstecken und der Betrieb wegen der Quarantäne stillgelegt wird.

Natürlich hoffe ich, dass Sie diese ganzen Ratschläge und Informationen nicht brauchen. Kommen Sie gesund und ohne Grippe durch den Winter!

Ihre Apothekerin

Charlotte Erpenbeck

 

Quellen: PTA heute 13+14 Juli 2009

Teva Abstract17 16.8.2009

ApothekerPlus 14/15 7.8.2009

Pressemeldung der Firma Dr. Pandalis Urheimische Medizin GmbH & Co KG Juni 2009

Meldungen der WHO und des Bundesgesundheitsamtes bis einschließlich Ende Oktober 2009

 

Erstellt 13.11.2009 Copyright © Charlotte Erpenbeck

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