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Absoluter Boom in der Gesundheitsvorsorge sind zur Zeit die geschickt
vermarkteten Antioxidantien.
Was dürfen Sie darunter verstehen ?
Jede Körperzelle produziert im Laufe ihres Lebens unzählige Abbauprodukte.
Damit diese Abbauprodukte aus der Zelle herausgebracht werden können, müssen sie meist stark zerkleinert werden. Dabei entstehen freie Radikale, das sind Moleküle mit einem nicht gepaarten Elektron. Und dieses einsame Elektron sucht ganz dringend einen neuen Partner. Findet es einen, nennt man das Oxidation. Erwischt es dabei ein falsches Molekül, z.B. in der Erbsubstanz, kann diese Oxidation zu schweren Fehlern im Stoffwechsel der Zelle führen. Unter anderem können so koronare Herzkrankheiten entstehen, Bluthochdruck und sogar Tumore.
Um diese freien Radikale abzufangen, und die Oxydation an der falschen Stelle zu verhindern, braucht die Zelle Schutzstoffe. Natürlich produziert unser Körper eigene Schutzstoffe, sonst würde keine unserer Zellen alt. Leider erhöhen Faktoren wie höheres Alter, Streß oder Krankheiten die Bildung von freien Radikalen, während gleichzeitig die Fähigkeit unserer Zellen abnimmt, selbst Schutzfaktoren zu bilden.
An diesem Punkt kommt unsere Nahrung ins Spiel. Mit dem Essen nehmen wir täglich zusätzliche Schutzstoffe auf, Radikalfänger, Antioxidantien eben. Hervorragende natürliche Schutzstoffe sind dabei verschiedene Vitamine, allen voran Vitamin A (oft in Form der Carotinoid-Vorstufe), C und E.
Große und kleine Firmen haben das zum Anlaß genommen, den Markt mit einer Fülle von Vitaminpillen zu überschwemmen. Dabei geht es anscheinend nach der Devise: Je höher dosiert, desto besser. Angeblich alles mit medizinischen Studien belegt.
Dann fragen Sie doch einmal Ihren Apotheker.... Was ist von der ganzen Heerschar an Wundermitteln zu halten ?
Erstens: Präparate, die weder apothekenpflichtig noch verschreibungspflichtig sind, brauchen keinen wie auch immer gearteten Wirksamkeitsnachweis. Die Hersteller können Romane über die vermutete oder eventuell mögliche Wirkung zusammenspinnen.
Zweitens: Abgesehen von Vitamin C ist ein Zuviel dieser Stoffe nicht unproblematisch. Mit hohen Mengen Vitamin A können Sie sich regelrecht vergiften (Rheuma, Haarausfall, Leber- und Milzschäden). Außerdem können Mißbildungen bei Ungeborenen und Wachstumsstörungen bei Kleinkindern auftreten. Die Vorstufe, Carotinoide, wirkt in größeren Mengen bei Rauchern krebsfördernd. Von Vitamin E sind zwar keine richtigen Vergiftungen bekannt, aber Überdosierungen können zu Kopfschmerz und Übelkeit führen.
Drittens : In medizinischen Studien wurde zwar festgestellt, daß diese Vitamine einen Schutzeffekt zeigen. Ab einer bestimmten Dosierung ändert sich aber an der Schutzwirkung für gesunde Probanden nichts mehr. Es ist also nicht sinnvoll, immer höher zu dosieren. Allerdings kann bei Krankheiten oder z.B. bei Schwangerschaft der Bedarf an einigen Vitaminen leicht auf das Doppelte bis Fünffache des Normalbedarfs ansteigen.
Wann brauchen Sie also wirklich Vitamine/ Antioxidantien in Arzneiform?
Bei chronischen Vergiftungen, z.B. durch Schwermetalle, bei chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Rheuma, als Raucher (kein Vitamin A, keine Carotinoide in hoher Dosierung !), falls Sie Abnehmen und dabei unterkalorisch essen, bei sehr einseitigem Essen (zu wenig frisches Obst und Gemüse), nach schweren Erkrankungen in der Rekonvaleszenz, während Schwangerschaft und Stillzeit und im Alter ( viele Leute essen im Alter weniger und haben alleine dadurch schon keine ausreichende Vitaminversorgung mehr, und, wie oben erwähnt, alternde Zellen produzieren mehr Abbauprodukte).
Wann sind Vitamine/ Antioxidantien in Arzneiform unnötig ?
(in normaler Dosierung allerdings Gott sei Dank auch völlig unschädlich ) Wenn Sie keine chronischen Krankheiten haben und keine sonstigen Risikofaktoren, wenn Sie sich allgemein gesund ernähren mit mehreren Portionen Obst und Gemüse am Tag und ausreichend Frischluft und Bewegung bekommen, dann leisten Sie sich auch ohne Tabletten eine optimale Gesundheitsvorsorge.
Erstellt September 2003
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